Donnerstag 01. September 2011 10:41 Alter: 7 Monat(e)

Enspannt atmen und atmend entspannen

Interview mit Opernsängerin Melanie Forgeron

Opernsängerin Mélanie Forgeron macht viel Sport, um auf der Bühne nie aus der Puste zu kommen. Die Frau von der Litfaßsäule. 

Aachen. Kerzen flackern, Musik klingt und dann sagt eine Stimme sanft, aber bestimmt: „Tief durch die Nase einatmen. Rippenbögen schließen. Laaangsam durch den Mund ausatmen. Pffht.“ Mélanie Forgeron atmet ein, schließt, atmet aus. Die Mezzosopranistin macht Pilates. Sport ist für die Opernsängerin am Theater Aachen sehr wichtig. Wenn sie als Hänsel in der Oper „Hänsel und Gretel“ über die Bühne hüpft oder als Gianneta im „Liebestrank“ singend tanzt, darf sie nicht außer Atem kommen. Pilates ist dafür ein ziemlich gutes Training, denn da geht es viel ums Atmen. „Am Anfang habe ich allerdings gedacht, ich könne kein Pilates machen“, sagt Mélanie Forgeron in einer kleinen Atempause. Denn beim Pilates läuft das Luftholen genau entgegengesetzt der Sängeratmung.

Ichmache normalerweise die Bauchdecke weich, öffne die Rippenbögen, versuche meinenKörper mit einer Atemsäule zu  stabilisieren und atme so langsam wie möglich wieder aus.“ Und sie kann seeehr lange ausatmen. Beim Pilates kann dieses Talent ziemlich anstrengend werden, denn eine Übung dauert in der Regel so lange wie die Atmung. Wenn die Beine gestreckt in der Luft schweben, so lange, bis das letzte bisschen Luft aus den Lungen gepresst ist ... Puh. Schweißperlen? Nein, keine in Sicht. Mélanie Forgeron bleibt ruhig. Sie bewegt sich fließend in dem Rhythmus, den ihr die Stimme ihrer Trainerin Astrid Jorden vorgibt. Die Atemtechnik hat sie raus. Sie hat sich sogar als Vorteil entpuppt: „Ich habe meinen Körper und die Atmung jetzt noch besser unter Kontrolle.“

Um das zu erreichen, geht sie allerdings nicht in einen großen Fitnesstempel mit supertollen Grätenverbiegern und ultraschonenden Gelenkaktivierern, sondern lieber in ein kleines Studio, dass Pilates und Yoga anbietet. „Ich mag die intime Atmosphäre und die persönliche Betreuung.“ Da ist sie einfach die Mélanie, die sich stark machen will. Außerdem kann sie sich auch vormittags vor den Proben fit machen. „Es ist gut, sich vorher schon mit seinem Körper beschäftigt zu haben.“

Melanie hat Violine studiert

Mit Musik hat sie sich auch schon sehr früh beschäftigt. Es wurde viel gesungen in ihrer Familie, ganze Autofahrten zu Verwandten nach Berlin oder Paris lang. Bereits 1992 begann sie schon als Schülerin ihre musikalische Ausbildung in der Begabtenförderklasse am Meistersinger-Konservatorium Nürnberg, allerdings nicht im Hauptfach Gesang, sondern Violine. Ihr wurde zwar schnell klar, dass sie lieber singen wollte, aber in ihrer Familie gilt: Wenn man etwas angefangen hat, dann muss man es auch zu Ende bringen. Deshalb hat sie ihr Geige-Studium abgeschlossen und Gesang parallel studiert.

Am Stadttheater Aachen seit 2005

Seit 2005 singt sie am Theater Aachen und zurzeit ist sie in der Stadt unübersehbar. Ihr Bild hängt nämlich überlebensgroß an vielen Litfaßsäulen. Sie trägt darauf ihr Lieblingskleid mit Blümchen. Das hat sie in einem Sommerurlaub in Cadiz entdeckt, und weil es ihr so gut gefällt, hat sie es kurzerhand zum Allwetterkleid erklärt und trägt es auch mit Strumpfhose und Stiefeln. „Es ist komisch an dem Plakat vorbeizugehen“, sagt sie. Aber auch witzig. Und sie lacht so gerne – vor allem über sich selbst. Deshalb hat eine Freundin sie fotografiert, wie sie ihren echten Stiefel an den Litfaßsäulenstiefel hält. „Die Blicke der Spaziergänger waren herrlich: Ist die das? Das ist sie doch?“ Melanie lacht. Das ist eine wirklich gute Übung. Dabei zieht sich nämlich das Zwerchfell ganz pilatesmäßig zusammen. Jetzt noch den Bauchnabel tief einziehen, so tief, dass er fast die Wirbelsäule berührt. Das dürfte anatomisch zwar nicht funktionieren, aber na gut, versuchen kann man es ja.

Zum Glück ist im Moment noch nicht viel drin in Mélanie Forgerons Bauch, sonst hätte sie den Bauchnabel wohl an  Salatblättern oder Rostbratwürstchen vorbeischieben müssen. Aber, nein, die Gefahr ist nicht groß, Rostbratwürstchen isst sie nämlich nur und ausschließlich in ihrer Geburtsstadt Nürnberg. Da gebe es nun mal die Besten. Aber wenn die würzigen  Bratlinge erst mal verspeist sind, muss wieder fleißig pilatiert und die Tiefenmuskulatur trainiert werden. Es gibt da einen geheimnisvollen Schlankmacher-Muskel und wenn der stark ist, ist der Bauch flach. Toll. 

Mrija Ibsen - Redakteurin der Aachener Nachrichten

 

Das Interview in den Aachener Nachrichten


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